Vielleicht erinnert ihr euch an letztes Jahr hier bei mir. Ich hatte ein Spielereview von
Clair Obscur hier erstellt. Das Besondere an diesem Review war: Es war eigentlich kein Review! Ich war noch mitten im Spiel, aber musste unbedingt loswerden, wie geil das Spiel ist! Vielleicht hatte ich auch deshalb nicht, wie sonst üblich, eine Bewertung in Zahlen gegeben. Kurz mal nachholen: Und ist vermutlich nicht verwunderlich, aber 10/10! Spielt das Ding!!!
Nun "wiederholen" wir das Ganze. ich schreibe jetzt über ein Spiel, dass ich noch nicht abgeschlossen habe, aber einfach darüber reden muss.
Mewgenics
Und um den Fehler von letztem Mal nicht zu wiederholen: 10/10! Also los mit euch, holt euch das Spiel!
...
Ok, schauen wir uns das Spiel an. Denn möglicherweise ist es doch nichts für euch!
Auf der Wikiseite wird das Spiel als
tactical role-playing roguelike life simulation bezeichnet. Das ist sehr aufwendig beschrieben und für Aussenstehende "häh?"; daher wollen wir das genauer anschauen, was diese ganzen Begriffe sind. Das erklärt, mit was wir es hier zu tun haben.
tactical role-playing:
Rollenspiel sollte halbwegs klar sein. Es gibt verschiedene Charakter mit ihren eigenen Eigenschaften. Klassiker - so aus
Dungens&Dragon genommen - sind was wie "Krieger", "Magier, ... oder sowas. Meist gibt es ein "Levelsystem", in dem die Charaktere stärker werden und neue Fähigkeiten erhalten. Rollenspiele, speziell als Videospiele, gibt es in verschiedenen Varianten. Dieses hier ist "taktisch". Das bedeutet, dass Kämpfe auf einem begrenzten Schlachtfeld mit einzelnen Feldern stattfinden. Jede Aktion der Charaktere findet nacheinander - im Normalfall über einen "Geschwindigkeitsstatus" bestimmt - statt. Man kann jede Aktion genau überlegen, was man denn nun überhaupt macht. Das macht das taktische aus, denn meist muss man durchaus aufpassen, was man tut, weil taktische Rollenspiele gelten als sehr schwer und man kann schnell verlieren!
roguelike:
rougelike sind in den letzten Jahren unglaublich aufgekommen und sehr beliebt. Ich möchte jetzt nicht die ganze Geschichte vom namensgebendem Spiel
Rogue erzählen. Die Idee hinter rougelike ist ganz simpel gesagt das Zufallsprinzip! Die meisten rougelike sind geprägt von kurzen Spielrunden, die aber jedesmal ganz anders aussehen. Ich hatte ja D&D erwähnt. Hier gibt es z.B. für Magier spezielle Zaubersprüche, die mit dem Level korrelieren. "So, wir sind jetzt ein Level 3 Magier. Diese Zaubersprüche der Stufe 3 kannst du nun lernen!" Bei rougelike ist das nicht so, sondern Fähigkeiten werden zufällig vergeben bzw. habt ihr meist eine zufällig Auswahl. Es ist also für unser Magierbeispiel dann "Ok, du bist jetzt Level 3 geworden. Hier sind drei absolut beliebige Zaubersprüche. Wähle einen aus!" Ob das nun ein Feuerball ist oder man kann jetzt Schweben oder "man kann im Dunkel sehen" ist. Kann alles sein. Und je nachdem, was für eine Auswahl man bekommt, muss man sein weiteres Spielen verändern! Die Idee hinter rougelike ist: Jede Runde ist anders! Das ist natürlich für eine Langzeitmotivation sehr relevant.
life simulation:
Jetzt wird es interessant! Und wir müssen kurz auch auf den Spielename schauen: Mewgenics. Jemand mit halbwegs Englischkenntnissen wird wohl herausgefunden haben, das ist eine Kombination aus "Mew"(Miauen) und "Genetik". Ich habe bisher nur von "Charakter" gesprochen. Wir haben hier in diesem Spiel
Katzen die wir auf Abenteuer schicken. Und das besondere ist: Unsere Katzen dürfen in diesem Spiel nur ein einziges Mal ausgeschickt werden. Aber wenn die nur einmal benutzt werden können, brauchen wir Katzen Nachschub! Wo kommt der her? Nun: Jeden Tag steht eine zufällig Streunerkatze vor unserem Haus. Aber das ist etwas wenig. Wir müssen die Biologie nutzen:
SEX! (das wird sogar im Spiel "gezeigt", Achtung! ... ok, kann man in den Einstellungen abwählen, aber warum sollte man das bei so recht billigen Zeichengrafik?)
Wir haben im Prinzip eine Katzenzucht hier. Und um im Spiel vorran zu kommen müssen wir tatsächlich züchten; also durchaus Auswählen wer mit wem denn ran darf! Nur die
Besten der Besten, Sir! sollten sich vermehren. Zudem haben vielleicht einige der "alten" Katzen von ihren Abenteuer tolle Fähigkeiten mitgebracht. Die könnten sie vererben.
So sieht das Spiel also für all das aus:
Neben unserem Haus, wo all die Katzen wohnen, haben wir auch noch mehrere andere Charaktere, die uns dabei "helfen". z.B. für unsere Beschreibung haben wir einen "Mentor", der uns Katzen verschiedene Spiel-Klassen (wie der erwähnte Magier; aber auch Kämpfer, Heiler oder Ninja oder noch viel mehr) freischaltet. Wir haben einen kleinen Shop, wo wir Katzenfutter kaufen können. Die Katzen müssen ja was essen. Einen "IKEA", der uns Möbel verkauft. Denn die Katzen brauchen Katzenbäume (und wasweissich noch für Gegenstände), damit sie sich wohlfühlen und mehr Sex haben. Aber auch einen Baumeister, der das Haus erweitert. Einen leicht tuntigen Helfer, der einen mehr über seine Katzen erfahren lässt. Oder gar einen in Bandagen gehüllten Verrückten, der den gleichen Namen wie man selbst hat (Zufälle gibts) und tote Katzen von erfolglosen Spielrunden einsammelt und vielleicht noch einen guten Gegenstand gerettet hat. Und natürlich einen genialen - aber wahnsinnigen - Professor, der hauptsächlich die Story vorran treibt.
Vielleicht klingt das meiste noch halbwegs "normal", aber vielleicht ist dieser Bandagencharakter ins Auge gefallen und von wegen toten Katzen und so. ... Was nämlich zur Klarstellung führt: Ok, Katzenfutter und Möbel kauft man mit Geld, dass man auf den Abenteuern einsammelt. Aber wie bekommt man denn den Rest? Nun: Katzen! Sämtliche erwähnte Charaktere nehmen Katzen als "Bezahlung" entgegen! Was machen die mit den Katzen? Keine Ahnung! Wollen wir das überhaupt wissen? Besser nicht! Was zum Anfang zurück führt, wo ich meinte, das Spiel ist vielleicht nichts für euch!
Denn: Das Spiel ist komplett in recht simpler Comicgrafik gehalten. Aber gibt durchaus Tod, Blut, Zerstörung, ... und mehr "Witze" über Scheisse, als ihr glaubt! Und erinnert ihr euch an die Katzen, die tolle Fähigkeiten mitbringen? Nun, nicht alles ist Gold, was glänzt. Es können auch negative Effekte können die Katzen abbekommen. Nur ein paar Beispiele in "aufsteigender" Liste: Dyslexie, Tollwut, Lepra, Krebs. ... Ja, ich mache keinen Spaß! Das Spiel ist krass! Ein anderes Wort kann man kaum gebrauchen. Und wisst ihr das Schlimmste? Das sind nicht unbedingt negative Eigenschaften im Spiel! z.B. lässt Krebs die Katze ziemlich veröden, aber auch Mutieren. Und es gibt positive Mutationen, wie extra Stärke oder Geschwindigkeit. Es ist durchaus Teil des Spiels, dass man eine Katze mit Krebs "kaputt" macht, aber dann versucht eine gute Mutation an Nachkommen weiter zu geben! ...
Selbst die Musik, meist upbeat, poppig, chilliger Jazz, ... hat teilweise Text jenseits von Gut und Böse.
Planet Ridiculon haben richtig geile Lieder erschaffen; aber dann Texte wie:
Here lies Fluffy, run over by a truck
Decaying, decrepit, and dead
Rest in peace, Whiskers
You were such a good cat...
?Til a coyote came and bit off your head!
Them Kitty Bones
Ok, genug davon. Ihr musstet einiges Mitmachen! Aber hoffe konnte ein wenig das Spiel erklären, was es ist und mit was man konfrontiert wird.
Mewgenics ist wohl das brillianteste und vielseitigste roguelike der letzten Jahre; vielleicht (bisher) überhaupt! So viele Möglichkeiten, Gegenstände, Fähigkeiten, ... jedesmal wird man überrascht (hoffentlich positiv).
Die Grafik ist jetzt etwas "gewöhnungsbedürftig", aber ok. Viel wichtiger ist eben, das das man mit diesen krassen Themen und Poopjokes klar kommt. Wenn nicht, sollte man dieses Spiel meiden, wie die Pest! (interessanterweise keine Krankheit, die eine Katze im Spiel bekommen kann! Aber der "Totenbeschwörer" hat da eine entsprechend genannte Fähigkeit)
Ich muss leider sagen, und meine 10/10 von oben hat es schon vorraus gesagt: ich bin süchtig nach dem Spiel! Mega geil! Haltet mich für krank, ist mir egal! Ich werde berichten, wenn ich durch bin. Hitler II ist immerhin schon besiegt! ... Yes, you heard me!