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09.03.2026 14:03 Uhr   #302
Ich bin vor einiger Zeit meinem Bildungsauftrag nachgekommen und habe versucht euch ein wenig Mathe beizubringen. Selbst mein Vater, den ich eigentlich als Mathematisch bewandt einschätze, meinte er hat da Probleme gehabt zu folgen. Dabei war das doch so einfach! Simple Mathe! Manmanman...
Versuchen wir also mal ein schwierigeres Thema: Tanzen! Achtung an Nichttänzer, möglicherweise kapiert ihr nur die Hälfte! Aber ist meine Seite, kann machen, was ich will ;)

Im Laufe des Lebens jedes Tänzers kommt der Punkt, wo diese Person denkt, "ich hab es kapiert! Alle anderen liegen falsch!" und haben die Erleuchtung. Vielleicht bin ich jetzt auch soweit!
Meine "Erleuchtung" ist, dass ich denke, dass viel zu wenige Tänzer kapieren wieso sie etwas tun! Ich möchte das als Gegenüberstellung von "WIE" und "WARUM" beschreiben. Das WIE wissen sehr viele. Entweder halt immer gut beobachtet, was die Trainer ihnen gezeigt haben und nachgemacht - aber selbst Trainer sind nicht dem Problem gefeit - oder halt über die Zeit herausgefunden, was funktioniert und was nicht oder eine Kombination aus beidem.
Das betrifft jetzt als "Problem" hauptächlich die Führende Person (Leader), aber auch die Folgende Person (Follower). Letztere haben es halt einfacher, weil sie ... naja, "nur" folgen müssen.

Um dieseses Wie/Warum zu beschreiben möchte ich im folgenden Text beschreiben "Wie" man im Salsa eine einfache Rechtsdrehung führt. Und dann "Warum" wir das so machen.
Da es viele Salsastile gibt, werde ich das in Salsa Linie on1 - in Richtung LA Style - beschreiben.
Zudem werde ich es entgegen meinen normalen Artikeln hier in den "Anhang" packen und ihr müsst oben mal auf den Titel klicken, um den ganzen Text zu sehen. Grund dafür ist, dass ihr euch als Tänzer jetzt mal kurz selber Gedanken machen sollt, warum ihr es so führt, wie ihr es führt. Falls warumauchimmer dieser Artikel irgendwann mal von google oder so gefunden wird, wenn jemand danach sucht, wie eine Salsa Rechtsdrehung geht, dann seid ihr vielleicht direkt im Text und habt jetzt nur eine dicke Linie hier unten. Denkt halt trotzdem mal kurz nach. (und das ist sehr unwahrscheinlich; warum sollte jemand, der wissen will, wie eine Salsa Rechtsdrehung funktioniert hier einen Text lesen, wenn es Videos anzugucken gibt, wo man sehr viel mehr sieht. Aber das ist halt mein Blog und Text ist das Medium hier; hin und wieder eingebettete Videos ignorierend)

Also: lass es uns antanzen! (grüße an Dado)
 
Bevor wir wirklich loslegen müssen wir noch ein paar Dinge klären:
1. ich werde das Ganze aus der Ich-Perspektive beschreiben, wie ich führe. Richtungsangaben sind entsprechend (meist) aus meiner Perspektive und nicht vom Follower.
2. Damit man das halbwegs erklären kann muss ich viele Beschreibungen komplett übertreiben! Im wirklichen Leben bzw. Tanz ist es nicht so exakt und wird vermutlich nicht wirklich 1:1 passieren. Aber zum Verständnis muss ich hier sehr überkandidelt schreiben. Wir haben hier eine einfache Rechtsdrehung. Im Normalfall muss man fast nichts dafür tun, dass der Follower sich dreht.
3. Die Beschreibung wird auch sehr "abgehackt" sein. Normalerweise ist da die Bewegung alles eher fliessender und macht dadurch mehr Sinn. Aber wiederum: Zum Verständnis muss das leider so sein.

Desweiteren müssen wir ein generelles Tanzkonzept beschreiben. Im Prinzip erklärt dieses alles Folgende, was ich erklären will und ist der Kern jedes Tanzes und Führen und Folgen!
Und zwar wird im Tanzen sehr gerne von "Connection/Verbindung" geredet. Das ist oft ein völlig dahingeschmissener Begriff der so ziemlich alles im Tanzen beschreibt bzw. beschreiben möchte. Das können sehr "theoretische" Dinge sein, wie z.B. das man sich beim Tanzen vielleicht mal gegenseitig anschaut oder sowas. Ich möchte mal aber an ein relativ physisches Konzept, das damit verbunden (pun intended) ist ansprechen. Ich möchte das mal Distanz nennen!

Wir nehmen an, ein Tanzpaar steht sich direkt gegenüber. Dann haben sie auch eine gewissen Abstand - also Distanz - voneinander. Die kann auch mal Null sein, das ist egal. Aber nehmen wir nun an, das Paar ist in irgendeiner Form in "Connection". Wenn nun der Leader sich nach vorne bewegt, dann muss der Follower sich nach hinten bewegen; ansonsten wird die Verbindung und die Distanz "gebrochen" und passt nicht mehr. Und falls jetzt mehr denkt "Ja, zudem wird der Follower ansonsten umgelaufen, hahaha", dann muss ich aber auch mitteilen, dass das gleiche System invertiert gilt! Also gleiche Ausgangsposition und der Leader bewegt sich selbst nach hinten, also vom Follower weg. Hier muss der Follower entsprechend mitlaufen, ansonsten haben wir wiederum die Distanz und Verbindung gebrochen. Auch kann der Follower da prinzipiell nicht selbst agieren. Wenn der Leader einfach da steht, dann läuft man nicht vorwärts und die Person um und auch nicht weg; man bleibt in diesem Abstand.
Diese Distanz ist natürlich nicht Absolut, denn man muss ja verzögert überhaupt reagieren. Aber nehmt das mal Absolut an, denn ich hatte ja gemeint, dass ich übertreibe.

So. Diese Hinweise abgeschlossen, lasst uns endlich zum Tanzen kommen!

Wie schon gesagt fangen wir mit dem WIE an:

Wir tanzen den Salsa Grundschritt. Meine linke Hand ist mit der rechten Hand meines Followers verbunden. Auf Taktschlag 3 hebe ich meine linke Hand, etwa auf Höhe Haaransatz Folgende und etwas Links. Wichtig hier ist, dass ich mit der Hand einen gewissen Druck nach vorne aufbaue. Damit weiß der Follower, dass sie auf die nächsten Taktschläge 5-7 eine Rechtsdrehung machen soll.

Das war es eigentlich schon für das WIE. Das ist die korrekte Erklärung, was man macht zum Führen. Fast zumindest, wir kommen dazu. Denn nun kommt der lange Part: WARUM

Gleicher Ausgangspunkt und Idee und wir sind prinzipiell am "Ende" von meinem WIE auf Schlag 3. Hand ist oben und Druck ist aufgebaut. Warum mache ich das also?
Durch den Druck blockiere ich den weiteren Weg der Followers. Wir erinnern uns an die Erklärung der "Distanz" etwas weiter oben. Allerdings sieht es hier etwas anders aus: Der nächste Schritt des Followers ist Grundschritttechnisch mit Fuß Links nach vorne. Und ein "Schritt" - was manche Tänzer auch am Anfang lernen müssen - ist nicht "Der Fuß geht nach vorne", sondern der Körper geht hier mit! Nun ist aber diese Blockade einseitig Links. Das führt dazu, dass aus Distanzgründen - jetzt mal aus Follower-Perspektive - Rechts es nicht weiter gehen darf, Links dagegen schon! Zusammen damit, dass der rechte Fuß ja das Standbein ist, ergibt sich hierdurch eine Art Rotationsachse. Der Follower wird um die Achse/Rechten Fuß herum gedreht. Prinzipiell ist das zwar die Blockade an der Hand und wirkt sich somit direkt eher nur auf den Oberkörper oder Schultergürtel aus, aber der Rest des Körpers reagiert automatisch mit. Durch das alles ergibt sich, dass der Vorwärtsschritt mit dem linken Fuß des Followers nicht gerade nach vorne geht, sondern leicht versetzt nach Rechts (Followerperspektive). Guter Start, denn wir wollen ja eine Rechtsdrehung machen.
Zurück zur Führung. Ich muss jetzt - so ca. auf Schlag 5 - mit der linken Hand (mehr hab ich ja nicht als generelle Verbindung) nochmal einen kleinen Schub nach vorne geben. Durch die vorige Blockade ist aber ja diese Seite des Followers schon "hinten". Und der Grundschritt besagt, dass der nächste Schritt (6) mit Rechts an der Stelle gemacht wird. Daher kann der Follower nicht mit einem Schritt ausweichen, sondern muss wieder seinen Oberkörper (und da verbunden auch der Rest des Körpers) wegdrehen, um die Distanz zu bewahren. Zum Glück sind wir ja gerade schon in einer Rechtsdrehungs-Bewegung. Dadurch ist diese Drehung weiter nach Rechts kein Problem. Für die Distanz-Theorie oben müsste diese Drehung zwar nur den kleinen Schub nach vorne ausgleichen, aber effektiv im Tanzen dreht sich der Follower sehr viel weiter.
Hier endet die Führung für die Rechtsdrehung. Allerdings haben wir noch ein Problem: Der Follower ist - je nach Rotoation - irgendwo viertel bis halber nach Rechts gedreht, aber eigentlich sollte dieser ja wieder in Richtung Leader schauen; bereit machen für nächste Elemente. Zum Glück ist genau das in jeglichen Tänzen eine Regel: Wird ein Follower gedreht und wird nicht irgendwo vom Leader gestoppt oder speziell positioniert, dann ist es die Aufgabe des Followers sich wieder zum Leader auszurichten. Hier in diesem Fall haben wir für dies noch den Schritt auf Taktschlag 7 übrig. Wir sind ja bereits in einer Rechtsdrehung und dadurch kann der Schritt mit Links als Rotation über dem Rechten Fuß wieder zum Leader gedreht werden.

Das wäre das WARUM der Rechtsdrehung! Für Außenstehende ist das vermutlich verwirrend, für manche Tänzer auch. Aber jegliche Führung, die ich mache, beruht auf diesem grundlegendem Prinzip. Natürlich ist dieses Beispiel nur der Gipfel des Eisbergs!
Nur ein Beispiel: Wir haben von der Distanz-Theorie ja nur die Blockade genutzt. Aber man kann auch die Variante, wo der Follower folgen muss nutzen. Für unsere Rechtsdrehung könnte man z.B. Handhaltung statt Leader-Links, Follower-Rechts auch Leader-Rechts, Follower-Links machen. Wenn wir hier auf Taktschlag 3 einfach die Hand heben und da blockieren kann ganz viel passieren, aber eine Rechtsdrehung wird nicht daraus; wir sind hier auf der falschen Seite! Hier müssen wir stattdessen die Hände während dem Vorwärtsschritt des Followers auf 5 nach Links wandern lassen. Der Follower muss der Hand mit seinem Körper folgen. Für die eigentliche Körperbewegung ändert sich prinzipiell nichts, aber statt "es geht nicht weiter" haben wir "ich muss da folgen!". Wir haben also das System invertiert!

Aber möchte nicht zu viel erzählen. Brauche ja noch Stoff für weitere Artikel hier auf meiner Seite ;) Aber ja, das ist DER Punkt zum Verständnis von Führung!
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