Geisterkarle's Homepage Besucher Heute: 11
Besucher insgesamt: 398574

Neueste Lesetipps:

Inside the CIA's black site torture room
Obituary: Hugh Hefner
Unusualtraveler: Syrien 2017

BÖC to basic im Colos-Saal! 19.06.2012 20:29 Uhr   #153
Was ich an Rock und Metal Bands immer toll und eigentlich auch viel öfter erwähnenswert finde, ist ihr Durchhaltevermögen! Wie wurde in A Headbanger's Journey gesagt?

Es gibt niemanden, der mal einen Sommer lang Slayer gut fand und dann wieder aufhört. Es gibt nur solche, die sich Slayer quer über die Brust tattowieren!

Gut, das betrifft jetzt nur die Fans, aber auch die Bands sind im 95%igen Normalfall "immer" da. Im Pop Business ist das eher ein seltener Fall. Klar, Madonna, Nena und Konsorten sind noch aktiv. Aber wenn ich euch mal fordern möchte und sage: Nennt mir 20 Popbands/-musiker, die schon mehr als 20 Jahre im Geschäft sind, dann wird das grübeln angefangen. Im Rock/Metal Bereich kann ich vermutlich das doppelte aus dem Ärmel schütteln. Und nur damit wir uns verstehen: Wir reden schon von bekannten Leuten und nicht irgendwelchen "Underground" was nur Eingeweihte kennen! Erwähnte Slayer, aber natürlich auch Iron Maiden, Judas Priest, Metallica, Destruction, Sodom, Motörhead ... (ich will jetzt nicht wirklich hier 20 aufzählen, das langweilt euch ja nur) sind alles auch ausserhalb des Genres recht weitläufig bekannt! Wenn ich in den Untergrund gehe dann kann ich fast nicht mehr aufhören. Weil: Die meisten Bands aus diesem Bereich scheissen darauf, ob sie jetzt Erfolg haben oder nicht; sie machen ihr Ding! Im Pop geht es halt meist nur um Geld, und wenn jemand nicht mehr "in" ist und nicht mehr genug Geld einbringt, dann verschwindet derjenige in die Versenkung ... und man sieht den 5 Jahre später im Dschungelcamp; aber aktiv nenn ich was anderes...

So... da hab ich einen Blog-Eintrag-Titel der euch ein Konzertreview verspricht und ich blubbere über allgemeine Dinge. Nun, das ist wichtig, denn schliesslich bin ich mit diesem Konzert in die untergründigsten Basics des Metals gegangen. Eigentlich ist das gar kein Metal, wird aber gerne mal als "Pre Metal" verstanden. Also eine Musik, ohne die es den Metal, wie wir ihn heute kennen, gar nicht geben würde. Klar spielen die verschiedensten Einflüsse dafür eine Rolle, aber die Band des Abends Blue Öyster Cult ist hier sehr wichtig, denn diese Band gilt als Begründer des "Metalumlauts", wie man an dem "Ö" in "Öyster" sieht. Nicht nur MotÖrhead haben dies übernommen!

Womit wir aber wieder am Anfang sind: Blue Öyster Cult sind durchaus auch in den Massen bekannt - das bekannteste Lied ist vermutlich (Don't Fear) The Reaper - und wenn eine Band so zu den "Metalschöpfern" dazugehört kann man sich vorstellen, dass die schon ein-zwei Jahre im Geschäft sind! Offizielles Gründungsdatum ist das Jahr 1967 (erstes Album: 1972). Zugegeben, BÖC sind eher für ihre Touren als Albumoutput bekannt (letztes Album: 2001) aber sie sind aktiv. Wegen der "Albenproblematik" gab es auch nur T-Shirts zum kaufen ... für 20 EUR! Sorry, N mit Umlaut!

Doch bevor es zu dieser Legende ging, betraten die Nürnberger Ramrods die Bühne. Auch diese Band hat eine lange Zeit hinter sich. Angeblich wurde sie 1965 gegründet ("Das Problem ist nicht eine Band 45 Jahre am Leben zu halten, sondern das Durchschnittsalter der Musiker bei 25!")! "Angeblich" deshalb, da es nicht wirklich "Aufzeichnungen" davon gibt. Erst jetzt (also 2011) brachte die Band ihr allererstes Album heraus - das ich mir für günstige 10 EUR zulegte. Was erwartet einen bei einer solch alten Band? Nun, am Anfang ihres Sets erwähnten sie, das sie "Filthy Rock & Roll" spielen - sowohl meinten sie ihre Musik, als auch den Song, der dran kam. Während des Auftritts war das ganze auch hauptsächlich zu bestätigen, nach dem Hören der CD muss man aber sagen, dass da einiges mehr ist, als nur Rock & Roll. Ich höre Country und Blues und vieles mehr. Hochinteressante Band, die mir auch Auftrittstechnisch gut gefiel und Musiktechnisch genau das Ohr der zahlreichen Besucher (es war volles Haus) des Colos-Saals trafen. So gab es vielleicht keine großen Höhepunkte, dafür aber schmutzigen Rock und eine gute Aufwärmphase für alle, die auf die Cultband (C intended) warteten.

Warten musste man da auch. Waren meine letzten Konzerte mit äusserst kurzen Umbaupausen beschert, schwingt hier das Pendel mal wieder in die andere Richtung. Es waren mehr als 30min, bis die Herren sich bequemten auf die Bühne zu kommen. Dann gab es aber - nicht überraschend - kein halten mehr. Aber kurzer Aussreisser noch, ihr verzeiht, denn sonst erwähne ich ja die Zusammenstellung des Publikums, was ich hier an dieser Stelle auch mal schnell muss. Es war wie erwartet ein etwas höherer Altersdurchschnitt, kaum Frauen anwesend, aber viele Personen allgemein. Während man beim "neuartigen" Power Metal etwas mit dem Alkoholkonsum enttäuscht wurde, sah man hier deutlich mehr Personen mit einem Bierglas in der Hand; trotz eines Montags!
Da könnte man denken "Die alten Herrschaften stehen gemütlich herum und man hat Platz!", Pustekuchen! Ich schoss meine ersten Bilder von der Seite, wühlte mich dann etwas nervig in die Mitte, wo ich einige Personen wegdrängte und nach einigen Knipsen wieder auf der anderen Seite raus! Wollte den Leuten in der Mitte nicht so im Weg herum stehen; einfach nur Bilder machen und weiter; ich hoffe ihr habt Verständnis dafür!

Auch Stimmungstechnisch konnte man die vielfach schon ergrauten Haare nicht erkennen. Von der ersten Sekunde an waren die Leute mit dabei und freuten sich sichtlich auf die ebenso älteren Herren auf der Bühne - auch wenn so "offiziell" die Vorband älter ist! :) Auf jeden Fall merkte man schnell, dass auch die Band sehr viel Spaß hat vor solch einem begeistertem Publikum zu spielen. Mit viel Engagement wurde in die Saiten gehauen und Stücke aus der langen Historie der Band zum Besten gegeben.
Die meisten Lieder konnte natürlich das Publikum auch mitsingen, was wohl angesicht der "vielen Sänger" (jeder, selbst der Schlagzeuger, kam zum Zuge) nicht unbedingt nötig gewesen wäre, aber sorgt natürlich für Stimmung.

Ein wichtiger Part des klassischen Hard Rocks - und was meine Nachbarin mal skandalöserweise bemängelt hat - sind die Instrumentsoli. Aufwendige, komplexe, mehrere Minuten lange Soli waren also zu vernehmen. Trotzdem kam dabei nie eine "macht endlich weiter..." Langeweile auf, sondern man feierte mit den Musikern mit und begeisterte sich an ihrem Können. Klar gibt es bessere Instrumentalisten, aber wenn man über 30 Jahre ein Instrument auf hohem Niveau spielt, dann sollte man ein entsprechendes Level ja wohl auch erwarten können.

Natürlich spielten die Jungs auch ihre größten Hits wie "Godzilla" oder erwähntes "(Don't Fear) The Reaper"; vor allem letzterer Song ist den meisten Radiohörern bekannt, auch heute wird er von Sendern, die ein wenig rockig angehaucht sind, gerne gespielt. Doch nach den Krachern, die bereits in der Zugabe waren, ging es dann auch zu Ende. Ob es am Durchschnittsalter lag, weiss ich nicht, aber es war nur etwa 1 1/2h gespielt worden. Zum Glück hatte die Vorband ein wenig mehr Zeit bekommen (45min, "Standard" ist eher 30min) und die Umbaupause länger gedauert, sonst wären wir schon vor 22 Uhr daheim gewesen. So war es dann doch schon 23 Uhr, bevor ich endlich nach Hause wanderte. Im Gepäck eine Ramrods-CD und eine schöne Erinnerung an einen tollen Abend mit einer legendären Band!

Bilder ... ihr kennt das ... when it's done!
Comments:
Eigenen Comment hinzufügen
 
Impressum